Montag, 26. November 2007

Kleinkind-Spleens

Es gibt Kinder, die zeigen bisweilen abnorme Verhatensmuster auf. Und es gibt Aliya, die diese abnormen Verhaltensmuster mit Hingabe hegt und pflegt. Die Sandmuschel, die ich beispielsweise im Frühjahr auf unsere Terrasse gestellt habe, war der reinste Flop. Im gefühlten 4-Sekunden-Takt stand das Kind im Wohnzimmer, zog ein angewiedertes Gesicht und verlangte eine Säuberung der Hände, nur um sich dann schnell wieder dem sandigen Inhalt zu widmen.
Auch die Nahrungsaufnahme erweist sich als mühseliges Unterfangen, wenn jedes noch so kleine Gemüsestückchen, Reiskörnchen etc. auf dem Tisch landet und erst dann weitergegessen werden kann, wenn Muttern a) die "unterwegs" verlorene Nahrung wieder eingesammelt und b) den Tisch mittels feuchtem Lappen in seinen Ursprungszustand versetzt hat.
Während andere Mütter fast immer erfolglos versuchen, ihre Sprößlinge vom Nutzen einer Kopfbedeckung im Januar bei -15° C oder im Juli bei 40° C im Schatten und sengender Hitze zu überzeugen, können wir nicht ein Schrittchen vor die Tür machen ohne wenigstens den Schutz eines Kopftüchleins in Anspruch zu nehmen. Auch dann, wenn es absolut windstill, mild und seicht ist. Ähnlich verhält es sich mit Jacken aller Art: entweder wir ziehen keine Jacke an oder wir schließen diese bis zum obersten Knopf bzw. ziehen den Reisverschluß bis zum Anschlag hoch, selbst dann, wenn es uns die Kehle einschnürt und die ersten Würgreflexe ausgelöst werden.
Heute benutzen wir den Kinderwagen nicht mehr allzu oft, Gott sei Dank, denn auch hier galt es zu beachten, daß wir keine 150 m (von Mathilde, die lediglich am Ende der Straße wohnt) unangeschnallt zurücklegen können. Weigerte ich mich, sie anzuschnallen, wurde dies mit Geschrei und Rumgewälze quittiert. Und wenn dann noch übereifreige Passanten raten, daß man doch das Kind laufen lassen solle, ich daraufhin erkläre, daß das Kind gar nicht raus will, sondern angeschnallt werden wolle und diese Passanten einem daraufhin unsanft erklären, daß sie sich auch selber auf den Arm nehmen können, ja dann, dann weiß ich auch nicht...
Wenn auch so Vieles bei uns nicht recht klappen möchte, so kann ich doch stolz berichten, daß Aliya brav (mit mir zusammen) ihr Spielzeug wegräumt, um etwas anderes aus dem Schrank zu holen. Lego zurück in die Box zu beordern kann allerdings nur auf die Weise erfolgen, daß alle Steinchen voneinander getrennt werden. Wage ich Unhold mich, zwei oder mehr aneinanderklebende Steine in die Kiste zu werfen, werden diese vom Kind wieder rausgenommen, voneinander getrennt und dann wieder zurückgelegt. Natürlich nicht ohne mich eines vorwurfsvollen Blickes zu strafen.
Ferner scheint die Wahl der Socken einem geheimen Ritual zu unterliegen. Grundsätzlich kann nachts nicht auf Socken verzichtet werden. Auch im Juli und August nicht! Socken, die man tagsüber trug, können auf keinen Fall nachts getragen werden. Zumindest die nächtlichen Socken müssen farblich auf den Pyjama abgestimmt sein! Sie kann die Farben zwar noch nicht benennen, weiß aber sehr wohl, welche Socken farblich zum jeweiligen Pyjama passen. Überhaupt nimmt die Auswahl der Socken einen nicht unerheblichen Zeitaufwand in Anspruch. Und das mit zweiundhalb! Da freue ich ich unbändig auf die kommenden Jahre, vor allem auf die, die von Soziologen mit dem Begriff Pubertät tituliert werden. Das bleibt/wird spannend!

Kommentare:

Wortteufel hat gesagt…

... och Du meine Güte.
(Aber doch irgendwie lustig...)

Martina hat gesagt…

*schmunzel* schön! :)
(Ich bin gespannt, ob unser Zwerg auch solcherlei Macken entwickelt. NOCH hat er nicht wirklich welche.)

Natalia hat gesagt…

Das mit den Socken kene ich. Nur bei uns sind die Schuhe!!!, die passen müssen. Und das ist um einiges Schwieriger, es sei denn man hat 20 paar Schuhe (bei uns nicht der Fall). Unsere Lösung im Moment sind 3 paar Schuhe: eine Art Turnschuhe in dunkelblau mit grüne und rote Streifen (schon 3 Farben abgehackt), braune Stiefeln mit orange Applikation (da wären 2 weitere) und Winterstiefel von Tchibo in beige und schwarz (ich konnte Max überzeugen , dass grau und schwarz sehr gut passen).
Max ist auch so "modebewusstes" Kind und teilweise sehr anstrengend (er hat vor seinem 2. Geburtstag damit angefangen, konnte aber schon viele Farben benennen)

tonni hat gesagt…

hui, da muss ich mich glatt als stille Mitleserin outen, weil ich so nett lachen musste!
Sicherlich wird das noch sehr spannend!
Unser Ida kind ist etwas mehr als 2 1/2 - gern schick ich eine Einladung nach kurzer Mail an tonni@wtal.de

Kathy hat gesagt…

ich liiiieeeebe solche macken!!! soetwas macht einen menschen doch erst interessant, sympathisch, liebenswert,....

[Ines] hat gesagt…

:O))))))))) sehr schön ....auch wenn es für die Mutter anstrengend ist...

Bouchra hat gesagt…

HERRRRRLISSSSCCCHHHHHH!!!! Mal an alle lieben Leser und Leserinnen.
Das kleine aussergewöhnliche Würmchen, um das es hier geht, ist meine kleine Nichte und es ist mehr als amüsant, wenn man das alles liest und genau weiss, wie dieser halbe Meter dann vor einem steht und trotzige Geräusche von sich gibt, die sie sich zu 100% von ihrer Mama abgeguckt hat.
Einfach HERRLICH!

http://ichbinimmerich.wordpress.com hat gesagt…

Bei uns läuft es sehr ähnlich ab, Gott sei Dank ist mein Sohn nicht modebewusst, ich würde durchdrehen, wenn ich auch noch über Farbzusammenstellungen diskutieren müsste. Wir unterhalten uns über "welches Messer streicht das Brötchen mit welchem Honig, wie sehr muss der Rand mit ausgestrichen werden, damit man die Semmel essen kann u.v.m.
Man hat mir gesagt, dass bei einer starken Ausprägung während der Kinderzeit, die Pubertät etwas einfacher wird. Ich vertraue fest darauf!